Stelvio – Stilfserjoch

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https://www.foxsports.it/2018/07/24/gianluca-spessot-oggi-nona-tappa-tour-giro-italia-silandro-sondrio/

König Stelvio. Was kann man dazu sagen? Ich finde so gut wie kein passendes Adjektiv! Es ist schwierig, in Worten diese Schönheit und die Majestät dieses Passes zu fassen. Man muss das Stilfserjoch einfach fahren, zumindest einmal im Leben. Für mich war es keine Taufe, denn vor einigen Jahren nahm ich am “Stelvio Bike Day” teil, einer jährlichen Veranstaltung, in der die Sperrung des motorisierten Verkehrs von 8 bis 16 Uhr stattfindet. Dank eines wunderbaren Sonnentages waren wir damals zehntausend. Ein richtiges Fest für Radliebhaber. 

Heute ist Schalders mein Abfahrtsort. Ich habe nicht sehr gut geschlafen, vielleicht weil ich wusste, was auf mich wartet. Diesmal muss ich auch meinen Rucksack mitnehmen. Werde ich es schaffen? Die hausgemachten Marmeladen der Pension Pernthaler sind eine ausgezeichnete Energiequelle und der Optimismus des Gastgebers ist auch hilfreich. Sobald er meinen Plan erfährt, prüft sofort in Internet die Bilder der Webcam: “Kein Regen, keine Sorge. Fahren Sie mit Ihrem Tempo: da oben gibt es keine Medaille!“

Ich kann gleiich auf dem Radweg fahren. Der erste Abschnitt eist eine Mischung aus Schotter und Asphalt. Ständige Höhen und Tiefen machen das ganze schwerer und, wenn die Straße flach wird, gibt es Gegenwind. Aeolus muss wirklich sauer auf mich sein, denn bisher habe ich es noch nicht das Vergnügen gehabt, ein bisschen Rückenwind zu geniessen! 

Nach weniger als einer Stunde erreiche ich  Prad am Stilfserjoch: hier beginnt der berühmte Aufstieg. Die ersten Kilometer sind nicht anspruchsvoll und ich könnte sogar etwas Tempo machen, aber ich will nicht die Energie verbrauchen, die später nützlich sein könnte. In Gomagoi wird die Steigung härter. Sobald ich den seitlich offenen Tunnel passiert habe, sehe ich das erschreckende Schild:  bis zum Gipfel muss man 48 Kehren bewältigen! In Trafoi komme ich am berühmten Hotel Belvedere der Familie Thoeni vorbei. An der Fassade, unten links, sehe ich das riesige Autogramm von Gustav, dem großen Skifahrer der 70er Jahre. Unmittelbar danach bin ich im Wald und die Hänge werden immer schwerer. 

Ein Bus will vorbeifahren und ich halte kurz am Strassenrand. Hier treffe ich “Georg 05”, zumindest steht das auf dem Trikot. So ein Rad sieht man selten: riesige Taschen vorne und hinten. “Wie viele Kilos?“, frage ich auf Deutsch. „Etwa 45 Kg. Ich komme aus Krefeld, bin aber mit dem Zug nach Oberstdorf gefahren. Bist du aus München? Meine Reise endet dort in drei oder vier Wochen. Ich bin sofort neugierig: „Fährst du immer so?”. Was für eine Frage! “Natürlich. Ich bin auch den Galibier gefahren. Das war ein Kampf! Aber weißt du, ich halte alle 2 km an, um Luft zu holen, und dann genieße ich jeden Millimeter dieses Anstiegs und dieser Landschaft. Ich bin nicht wie die hier!”. Die Motorradfahrer machen einen höllischen Lärm, so sehr, dass wir kaum sprechen können. Ich frage mich, aber müssen wir wirklich so laute Auspuffröhre haben? Die EU will immer alles regeln, kann sie nicht tätig werden, um diesen Lärm zu reduzieren? Und ist das Stilfserjoch nicht ein Naturpark? Ich glaube nicht, dass die lokale Fauna den Soundtrack zu schätzen weiß, der jeden Tag dank “Radio Straße” gesendet wird! Heute ist Montag, das Wochenende muss wirklich ein Alptraum sein! Ich beschließe, eine Form des Protestes zu machen, indem ich jedes Mal, wenn ich ein Motorrad kreuze, mein linkes Ohr stecke. Vielleicht merkt es niemand, vielleicht ist es nutzlos. Aber man sagt doch, dass die Wellen, die sich durch einen Schlag von Schmetterlingsflügeln in China früher oder später auch in Europa ausbreiten. Ich lasse Georg mit seinem eigenen Tempo fahren, aber ich muss doch was wissen: warum 05? “Ich bin ein Uerdingen-Fan“. Tschüß Georg, schöne Fahrt! Einmal aus dem Wald heraus, kann man den Gipfel erkennen. Es scheint sehr weit weg zu sein und ich mache eine Pause mit Fruchtsaft und Snacks: ich brauche einfach Zucker! Die Geschwindigkeit sinkt zwangsläufig und viele übertreffen mich, sogar ein Tandem: Liebe auf dem Fahrrad! Die Zahl 24 gibt einen psychologischen Schub, weil ich auf halbem Weg bin und endlich die Spitze gut sehen und nicht nur schwer erkenn kann. Von oben betrachtet ist diese endlose „Schlange“ wirklich eindrucksvoll. Bei der Kehre Nummer 3 habe ich das gleiche Gefühl wie bei der Nummer 34: die zwei Kehren sind für mich die härtesten. Die Nummer 1 ist stattdessen die Tür zum Paradies: auch wenn es noch 500 Meter fehlen, habe ich es geschafft. Ist es wahr? Ich habe fast Tränen in den Augen. Ich suche das kleine Denkmal zu Ehren von Fausto Coppi und ein Foto darf nicht fehlen. 

Ich ziehe mich schnell um und beschließe, ein Schinkensandwich in einem der vielen Stände auf dem Platz des Gipfels zu essen. Es ist mehr Fressen als das Essen, aber inzwischen scheint die Sonne und macht einer der am meisten fotografierten Anstiege der Welt noch spektakulärer. Es ist eine perfekte Mischung aus der Schönheit der Natur und der Menschenkunst. Ich würde hier ewig bleiben, um die Landschaft zu bewundern, aber die Kälte und der Wind sind stechend und es ist besser weiterzufahren. Die Abfahrt nach Bormio fahre ich zu ersten Mal und sie ist wirklich wunderbar. Das Grün herrscht im Tal und dann, in der Nähe des Kraftwerks, gibt eine Reihe von ebenso spektakulären Tunneln Diese sind halb offen und beleuchtet und somit gefahrlos. Ich mache den Abstieg langsam, weil ich alles genießen möchte, aber dann sehe ich von oben das Becken, in dem Bormio liegt. Die Lage ist wirklich beneidenswert und ich bin gleich im Zentrum.

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